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16.04.2017

Ostern live aus Bischofsheim

Katholischer Ostermontagsgottesdienst am 17. April in hr4 aus Christkönig

Bild: Wikipedia. Elke Wetzig (elya)

Am Ostermontag, 17. April 2017, übertrug hr4 live von 10.05 bis 11.00 Uhr den katholischen Feiertagsgottesdienst aus der Pfarrkirche Christkönig in Bischofsheim (bei Groß-Gerau). Mit festlichen Orgel- und Trompetenklängen von Henry Purcell und dem fröhlichen Osterlied "Gelobt sei Gott im höchsten Thron" begann die Übertragung. Pfarrer und Dekan Karl Zirmer leitete die Eucharistiefeier und predigte. Gesungen hat der Christkönig-Chor unter der Leitung von Stefan Finkenauer, an der Trompete war Björn Colditz zu hören. Die Orgel spielte Lukas Adams.

"Unser Lebensweg ist wie ein Wanderweg"

In der Predigt verglich Pfarrer Karl Zirmer den Weg der Jünger nach Emmaus aus der Bibel mit unseren Lebenswegen heute. "Es ist gut, wenn wir einen Menschen haben, der uns zuhört, der ein Stück des Weges mitgeht." Und auch Gott ist oft unerkannt mit dabei, ist Pfarrer Zirmer überzeugt: "Gott ist mit uns, er geht mit uns."

Telefonservice und Service im Internet

Nach dem Gottesdienst konnten Hörerinnen und Hörer mit Dekan Karl Zirmer sprechen: Er ist bis 13.00 Uhr telefonisch erreichbar unter der Nummer 06144 / 7429. Die Pfarrei Christkönig ist im Internet zu finden unter www.christkoenig-bischofsheim.de. An Ostern wird es die hr4-Feiertagsgottesdienste auch zum ersten Mal zum Nachhören im Internet geben: Unter http://www.hr4.de/programm/podcast/gottesdienste/podcast-episode-4728.html kann man sich das Audio anhören und herunterladen.

Musik:

  • Musik zum Einzug: Trumpet Sonata, 1. Satz (Moderato) von Henry Purcell
  • Eröffnungslied: GL 328 "Gelobt sei Gott im höchsten Thron"
  • Kyrie: GL 156
  • Gloria: GL 172 "Gott in der Höh sei Preis und Ehr"
  • Antwortgesang: GL 323 "Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt"
  • Halleluja: 175,6
  • Gabenbereitung: "Herr, bleibe bei uns" von Gregor Linßen
  • Sanctus: GL 736 "Heilig, heilig, heilig, Hosanna in der Höhe"
  • Agnus Dei / Lied zum Brotbrechen: GL 472,3-4 "Manchmal feiern wir"
  • Musik zur Kommunion: "Largo" (aus "Xerxes") von Georg Friedrich Händel
  • Danklied: "Preis dem Todesüberwinder"
  • Schlusslied: GL 326 "Wir wollen alle fröhlich sein"
  • Auszug: "Marsch" (aus der Suite, HWV 341) von Georg Friedrich Händel

    Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Hörerinnen und Hörer von hr4!

Die Geschichte von Emmaus ist für mich eine der schönsten Geschichten der Bibel. Es fasziniert mich, wie nahe diese Geschichte vom Weg nach Emmaus auch unseren Wegen heute ist.

Ich finde zum Beispiel: Dieser Weg von damals, von Jerusalem nach Emmaus, der kann auch ein Bild sein für den Weg unseres Lebens heute. Unser Lebensweg ist wie ein Wanderweg. Es ist gut, nicht alleine unterwegs zu sein. Zwei sind einander immer eine Hilfe, eine Stütze. Die Jünger von Emmaus waren traurig und enttäuscht. Für sie ist eine Lebenshoffnung zerbrochen. Auch wir erleben Enttäuschungen. Hoffnungen brechen manchmal zusammen. Wir haben bestimmte Pläne für die Zukunft gemacht. Doch plötzlich kommt es ganz anders.

Die Jünger von Emmaus reden miteinander. Der Evangelist Lukas, der diese Geschichte aufgeschrieben hat, berichtet:  "Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte." (Lk 24,14)

Wenn wir Probleme haben, Sorgen uns quälen, dann ist es gut, wenn wir einen Menschen haben, der uns zuhört, dem wir unsere innere Not anvertrauen können, der vielleicht sogar bereit ist, ein Stück des Weges mitzugehen. Das muss nicht jemand sein, der sofort Antworten und Lösungen parat hat; wichtiger ist es, dass er bereit ist, zuzuhören. Manchmal ist es hilfreich, wenn deutlich wird: Auch andere Menschen haben ihre Probleme und Schwierigkeiten und ringen damit. Im Evangelium heißt es dann weiter: "Während sie (die Emmausjünger) redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen." (V.15).

Nicht nur Menschen sind unsere Weggefährten. Mit uns geht auch Jesus bzw. Gott selbst. Aber oft wiederholt sich die gleiche Geschichte wie bei den Jüngern von Emmaus: Wir sind wie mit Blindheit geschlagen, so dass wir ihn nicht erkennen. Gott ist mit uns, ja er geht mit uns. Doch seine Nähe ist uns manchmal verborgen - aber er ist da, er trägt uns, auch in schwierigen Zeiten.

Jesus ist mit den Emmaus-Jüngern gegangen, er hat ihnen die Heilige Schrift erklärt, aber noch haben sie ihn nicht erkannt. Da geschieht etwas ganz Unscheinbares und doch Wichtiges:

Jesus tut so, als wolle er weitergehen. Aber sie drängen ihn und sagen: "Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend werden, der Tag hat sich schon geneigt." (V.29). Da ist er mit ihnen gegangen, um bei ihnen zu bleiben. Das war ein entscheidender Augenblick: Wahrscheinlich wären ihnen die Augen nicht aufgegangen, wenn sie ihn nicht gastfreundlich aufgenommen hätten. Die Emmausjünger meinten einem unbekannten Wanderer Gastfreundschaft anzubieten und durften am Ende mit Freude feststellen: Der unbekannte Gast war Jesus selbst.

Gastfreundschaft anbieten: Das wurde in der Urkirche ganz selbstverständlich gelebt. Daran zu erinnern halte ich für ganz wichtig, denn wir als Kirche und Gesellschaft sind heute herausgefordert, notleidenden Flüchtlingen unsere Gastfreundschaft anzubieten.

Wer seine Mitmenschen liebt, ihnen Gutes tut, der ist schon ganz nah bei Gott. Auch wenn er Gott noch nicht erkannt hat, er dient ihm schon auf verborgene Weise. Gelebte Nächstenliebe ist Gottesliebe. Der Dienst am Nächsten ist immer auch Gottesdienst.

Die Jünger von Emmaus haben Jesus beim "Brotbrechen" erkannt. Für uns bedeutete das: Wenn wir miteinander Eucharistie feiern ist der Herr mitten unter uns. Aber auch überall da, wo Menschen Brot und Lebensnotwendiges miteinander teilen, ist Gott anwesend. Gott ist da, wo die Liebe ist.

Die Jünger von Emmaus können ihre Ostererfahrung nicht für sich behalten. "Der Herr ist wahrhaft auferstanden", rufen sie einander zu. Wenn wir nach diesem Gottesdienst die Kirche verlassen oder wenn der Gottesdienst im Radio vorbei ist, dann soll Ostern damit für uns nicht zu Ende sein. 

Wir sollen uns gegenseitig erzählen von den guten Wegerfahrungen, die wir machen. Da, wo wir Liebe erleben, lassen wir andere teilhaben. Und wir sagen die große Botschaft weiter, die in Ostern steckt:

Das Leben hat den Tod besiegt, die Liebe triumphiert über Hass und Gewalt! A m e n.