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Pfingstmontagsgottesdienst kam live aus Flörsheim

Pfingstmontagsgottesdienst kam live aus Flörsheim
Pfingstmontagsgottesdienst kam live aus Flörsheim

Pfingsten live aus Flörsheim
Ökumenischer Gottesdienst am 21.5. aus St. Gallus in hr4 und DLF

Einen festlichen ökumenischen Gottesdienst übertrug hr4 am Pfingstmontag, 21. Mai, ab 10.05 Uhr, live aus der katholischen Pfarrkirche Sankt Gallus in Flörsheim. Im Deutschlandfunk war der Gottesdienst ebenfalls zu hören. Thema war: „Gottes Geist lässt wachsen“. Der katholische Pfarrer Sascha Jung und die evangelischen Pfarrer Martin Hanauer und Karl Endemann leiteten den Gottesdienst. Verantwortlich für die Musik war Andreas Großmann, Kirchenmusikdirektor der Diözese Limburg.

Katholischer und evangelischer Chor gemeinsam

Die Flörsheimer Kantorei und der Chor der Evangelischen Kirchengemeinde Flörsheim gestalteten gemeinsam den Gesang, die Orgel spielte Matthias Bartsch. Außerdem wirkte das Bläsersensemble „Blechkultur“ mit. Bekannte Pfingstlieder wie „Der Geist des Herrn erfüllt das All“ waren ebenso zu hören wie eine Chormotette von John Rutter, „I will sing with the spirit“. Zum Schluss erklang das feierliche Lied „Großer Gott, wir loben dich.“

Service im Internet

Die Pfarrei St. Gallus in Flörsheim ist im Internet zu finden unter www.kath-kirche-floersheim.de, die Evangelische Kirchengemeinde Flörsheim unter www.floersheim-ev.de. Informationen rund um den Gottesdienst gibt es unter www.kirche-hr.de. Unter www.hr4.de kann man sich den Gottesdienst nach der Ausstrahlung noch einmal anhören.

Musik

Musik zum Einzug: G. F. Händel „Hornpipe“ (aus Water Music)

Eröffnungslied zum Einzug:  GL 347, 1-4, „Der Geist des Herrn erfüllt das All“

Psalm mit Kehrvers: GL 645, 3-4, „Sende aus deinen Geist“

Lied: GL 346, „Atme in uns“

Lied zum Glaubensbekenntnis: GL793, „Ich glaube an den Vater“

Ruf zu Fürbitten: GL 345, 1 „Veni Sancte Spiritus“

Motette von Chor gesungen: „I will sing the spirit“ (John Rutter)

Schlusslied: GL 380,1,5,10 / EG 331, „Großer Gott, wir loben dich“

Musik zum Auszug: Nicolas de Grigny "Veni creator"

 

Predigt:

Einleitung
„Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!"

Ein schönes Lied ist das, gut passend zum Pfingstmontag. Denn an diesem zweiten Feiertag ruht unsere alltägliche Arbeit und wir können einen Tag länger durchatmen in einer atemlosen Zeit. Wir brauchen uns heute nicht von Terminen und Verpflichtungen hetzen zu lassen. Wir können also ruhig einmal die Seele baumeln lassen. Ein Tag wie dieser hilft aufzuatmen und zu spüren, dass Gottes Geist uns Impulse für unser Leben gibt, die uns gut tun, nicht stressen, sondern beleben und befreien.

Vier Mitglieder unserer Kirchengemeinden erzählen uns nun beispielhaft davon, welche Auswirkungen der Geist Gottes in ihrem Leben, vor allem in ihren ganz gewöhnlichen Alltag hat:

Teil 1 (Pfarrer Sascha Jung)
Mir geht vieles im Alltag einfach nicht schnell genug. Warten müssen und geduldig zu sein, das ist eine echte und große Herausforderung für mich: ob an der Kasse am Supermarkt oder auch in den Dingen, die ich selbst zu machen habe und die Zeit kosten. Ich neige deswegen dazu, manche Dinge so aus dem Bauch heraus zu machen, ohne lange darüber nachzudenken. Oder ich reiße Sachen an mich, von denen ich glaube, dass ich das schneller kann als andere. Das gelingt mir aber nicht immer.

Ich muss dann immer an meine Oma denken, die mir nach ihrem 90. Geburtstag sagte: „Jetzt im Alter muss ich eine Tugend ganz neu erlernen: Geduld zu haben mit mir und mit den anderen!“ Und damit hat sie Recht! Ganz oft brauchen Dinge, Gedanken und Planungen eine gewisse ‚Reifezeit‘ – damit eben etwas wachsen kann. Kindern schenkt man für diese Entwicklung diese Zeit gerne. Uns Erwachsenen aber geht es manchmal eben nicht schnell genug, da soll am besten alles flott erledigt sein. Ebenso glaube ich: auch wenn Menschen miteinander arbeiten und leben, braucht es einen guten Geist der Geduld; einen Geist, der dem anderen die Möglichkeit gibt, nachzudenken und vielleicht auch ganz Neues in sich zu entdecken.

In alldem hilft mir dieses Vertrauen: der Heilige Geist wirkt in mir und im anderen, er lässt es wachsen! Er ist beständig in jedem Menschen am Werk. Deswegen darf ich geduldiger werden – geduldiger mit mir selbst und mit anderen.

Gerade in den Momenten meiner größten Ungeduld ist es dieses Vertrauen, dass mir Ruhe schenkt. Ich finde dann auch Freude daran, dass da was am Wachsen ist, was nicht in meinem Wollen und Vollbringen seinen Ursprung und sein Ziel hat. Umso größer kann am Ende dann auch die Erfahrung stehen: da passiert ja etwas ganz unverhofft, da wird mir etwas geschenkt – etwas, was ich zwar nicht erwartet habe, dass mich jetzt aber glücklich und zufrieden macht.

Teil 2 ( Dr. Hans Führus)
Ich habe in meinem Beruf als Frauenarzt und Geburtshelfer immer wieder Gottes Geist verspürt und wahrgenommen.

Wenn ich in der Frühphase des entstehenden Lebens bei den Ultraschalluntersuchungen zunächst Anzeichen für eine Schwangerschaft erkenne, sich dann Herzschläge zeigen und ich wenig später mit der werdenden Mutter die Herztöne des Embryos hören kann, bedeutet es für mich eindeutig: hier nistet sich der Geist Gottes ein. Gott hat dieses Leben beseelt. Er wird es nun in seinem Wachstum fördern und begleiten.

Ein ergreifendes Erlebnis ist für mich immer noch die Geburt. Ich bin immer wieder überwältigt vom ersten Schrei des Neugeborenen. Gott hat dem Kind seinen Odem eingehaucht.

Aber Gott lässt dieses Kind nicht allein, sein Geist begleitet es in seinem Wachstum weiter. Ich bin davon überzeugt: Gott begleitet uns durch das ganze Leben, er führt uns durch frohe, aber auch schwere und schwierige Zeiten. Wir werden erwachsen und auch als Erwachsene dürfen wir weiter wachsen. Der Heilige Geist hilft uns dabei.

Wir alle haben den Heiligen Geist empfangen. Unser Glaube an Jesus Christus gibt uns nun die Hoffnung, ja die Gewissheit, dass mit unserem Tod kein Ende kommt, sondern dass wir auch in der anderen Welt neu leben und wachsen dürfen.

Teil 3 (Pfarrer Karl Endemann)
Ein Gedicht von Kurt Tucholsky beginnt so: "Es wird nach einem Happy End im Film jewöhnlich abjeblendt..."

Warum ist das so? Weil nach dem Happy end das eigentliche gemeinsame Leben erst los geht. Und das ist in einer Partnerschaft und in einer Familie nicht immer nur einfach. Weil der Alltag uns fordert. Und weil wir bei den großen Gefühlen nicht gerne Kompromisse machen. Und weil wir bei aller Nähe und bei allem Zusammengehörigkeitsgefühl ja doch immer auch unterschiedliche Menschen bleiben.

Wenn Beziehungen gelingen sollen, dann kommt es darauf an, dass wir uns nicht auf etwas ausruhen, was einmal war, sondern dass wir zusammen wachsen. Und zwar in einem doppelten Sinn: Zum einen müssen wir zusammenwachsen, so ähnlich wie ein Zahnimplantat in den Kiefer einwächst. Das heißt, unsere Gemeinschaft soll enger werden und belastbarer. Zum anderen müssen wir zusammen wachsen, also gemeinsam, Seite an Seite uns verändern und uns strecken zu gemeinsamen Zielen.

Als ich 20 war, kam einmal ein alter Mann auf mich zu (er war damals ungefähr 40, aber das schien mir sehr weit weg...), und er sagte: Beziehung ist Arbeit. Ich fand das damals ausgesprochen unromantisch. Inzwischen weiß ich: Er hatte Recht. Ob Partnerschaft oder Familie: Wir dürfen nie aufhören, uns umeinander zu bemühen.

Der Weg zum Glück ist immer ein bisschen wie das Schwimmen gegen den Strom: Wenn wir aufhören zu schwimmen, bleiben wir nicht nur an der Stelle, sondern wir treiben zurück.

Das "Happy End" ist also keine lebenslange Glücksgarantie sondern eher die Wurzel, aus der wir uns nähren. Und wenn wir in dem Bild bleiben wollen, dann ist Gottes Geist das Wasser, das der Wurzel Leben schenkt. Gottes Geist ist Kraft zur Gemeinschaft, Kraft zum Lieben und eben: Kraft zum Wachsen.

Teil 4 (Katja Siegfried)
Als kleines Kind hatte ich nicht wirklich viel mit Kirche am Hut. So richtig mit Kirche und Glauben in Berührung bin ich mit 8 Jahren gekommen, als ich auf meine Erstkommunion vorbereitet wurde. Erst ab dann bin ich auch regelmäßiger in die Kirche gegangen - erst mal in den Kindergottesdienst, der parallel zum Wortgottesdienst der Messfeier war. Ab der Gabenbereitung sind wir Kinder dann zu der erwachsenen Gemeinde dazu gekommen.

Ich fand es damals sehr spannend die Messdiener zu beobachten. Sie waren direkt am Altar mit dabei und haben dem Pfarrer geholfen. Da habe ich den Entschluss gefasst: „Das will ich auch machen.“ Also bin ich nach meiner Erstkommunion Messdienerin in meiner Heimatgemeinde hier in Flörsheim geworden.

Mittlerweile bin ich aus diesem Dienst herausgewachsen. Dafür habe ich andere Dinge in der Gemeinde übernommen. Im Gottesdienst lese ich die Lesung, oder teile die Kommunion aus. Aber auch sonst versuche ich das Gemeindeleben aktiv mitzugestalten. Ich bereite Jugendliche auf ihre Firmung vor und ich bin Mitglied im Pfarrgemeinderat.

Immer wenn ich mich in meiner Gemeinde engagiere habe ich das Gefühl: Ich bin nicht allein! Da ist etwas - JEMAND, der mich trägt und stützt. Der mir Kraft gibt, mich auch weiter in meinem Glauben und in meiner Gemeinde zu engagieren, auch wenn das nicht immer einfach ist. Der Geist Gottes hat mich in meinem Glauben wachsen lassen. Dieses Feuer, das er in mir entfacht hat, das versuche ich weiterzutragen. Mein Funke soll auf andere überspringen.