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Ostergottesdienst kam live aus Heppenheim

Ostergottesdienst kam live aus Heppenheim
Ostergottesdienst kam live aus Heppenheim
© Foto: Pfarrei St. Peter, Heppenheim

Am Ostersonntag, 1. April 2018, übertrug hr4 live von 10.05 bis 11.00 Uhr den katholischen Gottesdienst aus der Pfarrkirche St. Peter in Heppenheim an der Bergstraße. Mit festlichen Orgel- und Trompetenklängen von Georg Philipp Telemann begann die Übertragung. Dekan Thomas Meurer leitete die Eucharistiefeier und predigte. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Singkreis St. Peter unter der Leitung von Beate Crisand und Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Drescher an der Orgel. Die Trompete spielte Björn Colditz.

Service im Internet

Die Pfarrei St. Peter ist im Internet zu finden unter www.stpeter-heppenheim.de.
Unter www.hr4.de kann man sich den Gottesdienst nach der Ausstrahlung noch einmal anhören.

Musik

Musik zum Einzug: Georg Philipp Telemann: Nr. 10 aus „Heldenmusik“ für Trompete und Orgel

Eröffnungslied:  GL 329, 1-3, „Das ist der Tag, den Gott gemacht“

Kyrie: „Kyrie“ aus der Missa Nr. 7 in B-Dur

Gloria: GL 169, “Gloria, Ehre sei Gott“ (Arrangement: Thomas Gabriel)

Halleluja: GL 175,2 + Vers

Musik zur Predigt: "Erstanden ist der heil'ge Christ" von Johann Sebastian Bach, BWV 628, Ausgabe C.F. Peters, Frankfurt.

Credo: „Credo“ aus der Missa in Nr. 7 in B-Dur von Joseph Haydn

Musik zur Gabenbereitung: GL 188 „Nimm, o Herr, die Gaben, die wir bringen“ (Arrangement: Thomas Drescher)

Sanctus: „Sanctus“ aus der Missa in Nr. 7 in B-Dur von Joseph Haydn

Agnus Dei: “Agnus Dei” aus der Missa in Nr. 7 in B-Dur von Joseph Haydn

Musik zur Kommunion: Jeremiah Clarke, aus der "Suite in F", Bourée, Serenade, Gigue

Danklied: „Wir wollen alle fröhlich sein“, GL 326, Str. 1,4 und 5

Schlusslied: „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“, GL 328, Str. 1, 5, 7

Musik zum Auszug: G. Ph. Telemann: Nr. 1 aus "Heldenmusik" für Trompete und Orgel

 

Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist ein beliebter Brauch und gehört für viele untrennbar zum Osterfest dazu: die Ostereier-Suche. Landauf, landab machen sich heute Scharen von Kindern auf, um hinter Sträuchern und Hecken, oder auch in der Wohnung, nach Süßigkeiten und Ostereiern zu suchen, die vorher sorgfältig versteckt wurden.  Das alles scheint zunächst nur ein kindlicher Brauch zu sein.

Für mich steckt darin aber auch etwas, was urmenschlich ist. Das österliche Such-Spiel: Es erzählt viel über das, was uns Menschen bewegt und umtreibt. Denn auch wir sind auf der Suche. Nur sehen unsere „Ostereier“ anders aus; unser Suchen hat andere Ziele: Vielleicht ist es eine neue Wohnung. Oder ein Urlaubsziel für den Sommer. Vielleicht ist es der Partner fürs Leben, den wir suchen, oder ein Platz im Kindergarten für den Nachwuchs. Vielleicht halten wir Ausschau nach einer Aufgabe, die uns erfüllt. Immer aber – und in all dem – suchen wir Glück, Liebe, Zufriedenheit. Wir haben unsere Ziele, unsere Träume vom Leben, und wir suchen Wege, auf denen wir diesen Zielen näherkommen können. Nicht immer klappt das. Manchmal platzen Träume, manchmal werden Ziele ausgewechselt, und die Suche geht von neuem los. Aber auch dann, wenn wir uns einen Traum erfüllen konnten, wenn wir ein Ziel erreicht haben, hört das Suchen nicht auf. Nach einer Weile richten wir uns auf ein neues Ziel aus. Dann ähneln wir dem Kind, das ein erstes Osterei gefunden hat, in die Tasche steckt, und nun nach dem nächsten Ausschau hält. Es gibt da eine unstillbare Sehnsucht in uns, eine geheimnisvolle Unruhe, die uns immer neu auf die Suche schickt. Wir Menschen sind Suchende. Das gehört zu unserem Wesen.

Ein Suchender, eine Suchende zu sein – das ist nicht immer leicht. Oft ist da eine geheime Angst, die unsere Suche begleitet. Wir fürchten insgeheim, dass es beim Suchen bleibt, und es kein Finden gibt. In manchen Schlossparks gibt es begehbare Irrgärten. Vielleicht sind Sie schon einmal durch solch einen Irrgarten gelaufen. Dann kennen Sie die Erfahrung, wenn man die Mitte sucht und doch immer wieder in der Sackgasse steckt. Manchmal ist man dem Ziel so nah, und kommt einfach nicht weiter. Im Bild des Irrgartens haben Menschen oft ihre Angst ausgedrückt, sich im Wirrwarr des Lebens zu verlieren. In meiner Familie wird mit diesem Ausdruck sogar das Sterben umschrieben. Statt „Wenn ich einmal sterbe“, heißt es bei uns: „Wenn ich mich einmal verliere“. Ist also angesichts des Sterbens all unsere Lebenssuche letztlich zum Scheitern verurteilt? Gibt es am Ende kein Finden, sondern nur das Sich-Verlieren? Endet all unsere Suche nach Glück am Ende in der Sackgasse des Todes?

Hier nun kommt Ostern ins Spiel. Hier wird deutlich, welche Botschaft die Auferstehung Jesu für uns hat. Diese Botschaft lautet: Das Leben hat den Tod besiegt. Es wird kein letztes Sich-Verlieren geben. Die Sackgasse des Todes, in der unsere Suche nach Sinn und Erfüllung immer wieder steckenbleibt – diese Sackgasse ist aufgebrochen. Es wird nicht beim Suchen bleiben. Es wird ein Finden geben. Ja, wir wissen, wie das ist, wenn wir steckenbleiben und nicht weiterkommen, wenn unsere Ziele in weite Ferne rücken. Und das alles bedrängt uns, macht uns zu schaffen. Aber es hat nicht das letzte Wort über uns und unser Leben. Das ist die Botschaft von Ostern. Das heißt Auferstehung: Wir werden die Mitte erreichen! Wir werden ankommen, wir werden finden.

Das Osterevangelium heute erzählt von einer erfolgreichen Suche: Maria Magdalena sucht den Leichnam Jesu. Sie weint dabei. Suchen und Weinen – das gehört oft zusammen, wenn das Ziel so unerreichbar scheint; wenn die Suche ins Leere geht. Und dann, ganz unerwartet, findet sie Jesus. Nicht den Toten, sondern den Lebendigen. Zunächst hat sie ihn für den Gärtner gehalten. Das lag nahe. Das Grab Jesu lag in einem Garten, und zu einem Garten gehört ein Gärtner. Das ist normal. Es geht bei dieser Szene, wie ich denke, nicht bloß um eine amüsante Verwechslung, sondern um eine wichtige Aussage: Gerade im Normalen, im Alltäglichen kann ich Jesus Christus und Gott begegnen. Etwa in einem Menschen, der mir heute entgegenkommt. Oder in einem Kind, das ein Osterei gefunden hat und es mir freudestrahlend zeigt.

Da kann mich der Auferstandene ansprechen, mich bei meinem Namen rufen und sagen: Auch DEIN Suchen ist nicht umsonst. Du wirst Dich am Ende nicht verlieren. Du wirst finden – Dich selbst, Deine Erfüllung, Dein Leben.

Amen.

Thomas Meurer
Dekan und Pfarrer von St. Peter, Heppenheim
Kirchengasse 564646Heppenheim
Tel.:06252 / 93090