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Mariä Himmelfahrt

Mariä Himmelfahrt
Mariä Himmelfahrt

Zuspruch am Morgen in hr2-kultur am 15. August 2018 von Pastoralreferentin Andrea Maschke, Frankfurt

Mariä Himmelfahrt

Im Frankfurter Kaiserdom gibt es, ein wenig verborgen, den sogenannten Maria Schlaf Altar. In einer kleinen Kapellennische vorne links steht dieser gotische Altar, der zeigt, wie Maria auf einem Bett liegt und, umgeben von den Aposteln, stirbt. Kleine Engel schließen ihr die Augen, und bringen ihre Seele in Gestalt eines kleinen Mädchens in die Höhe zu Gottvater. Ein italienischer Priester, den ich einmal in einer Gruppe durch den Dom geführt habe, hat protestiert, als er den Altar sah. Das ist nicht katholisch!, wetterte er. Ist es doch.

Obwohl auch mir eine andere Darstellung von Marias Tod und Himmelfahrt vertrauter ist: die von einer prunkvollen Muttergottes, die von Engeln begleitet, im bauschigen Kleid nach oben in den Himmel schwebt, wo sie von Jesus und Gottvater mit einer Krone bereits erwartet wird. Auch so eine Darstellung findet sich übrigens im Frankfurter Dom, hinten im Eingangsbereich.  

Heute ist das Fest Mariä Himmelfahrt, die Himmelfahrt der Maria, wobei das nur einer der vielen Namen dieses Tages ist. Offiziell heißt er katholisch: „Aufnahme Mariens in den Himmel“ und in der orthodoxen Tradition einfach „Entschlafung Mariens“. Seit dem 5. Jahrhundert wird dieses Fest gefeiert, aber erst seit 1950 gilt die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel als katholisches Dogma.  

In der Bibel findet sich nämlich gar nichts über den Tod von Maria, der Mutter Jesu. Erst in späteren Schriften wird erzählt, dass Maria im Kreise der Jünger stirbt, begraben wird – und dann, so heißt es, von Jesus und seinen Engeln aus dem Grab heraus in den Himmel erhoben wird, sodass die Jünger am nächsten Tag nur ein leeres Grab vorfinden.

Um den Tod Mariens ranken sich also viele Legenden und Wundererzählungen, die alle betonen möchten, Sie war eine besondere Frau, die nicht einfach so stirbt, sondern von Gott spezielle Gnade erfährt.

Ich sehe Maria gerne als Begleiterin, als Schwester im Glauben, als mutiges Vorbild. Maria etwa, die sich, schwanger mit Jesus, hinstellt und bei ihrer Cousine Elisabeth das Magnifikat singt. Was für ein revolutionäres Lied!

Es beginnt so:

Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. 

 

Und kurz darauf heißt es:

Gott vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt
die Reichen leer ausgehen.

Der Evangelist Lukas legt der jungen Maria schon einiges in den Mund, was später ihr Sohn Jesus verkündigen wird. Tatsächlich hat sie ihn ja sein gesamtes Leben lang begleitet und war auch unter dem Kreuz noch dabei.

Dass diese mutige Frau einen besonderen Platz im Himmel bekommt, das finde ich nur allzu richtig.